Wenn in unseren Breiten der Nachthimmel ausnahmsweise einmal klar ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich in einer Gegend mit mehr oder weniger heftiger „Lichtverschmutzung“ (neben der üblichen Lichtglocke über Städten insbes. seitliches Streulicht durch Straßen- und Hausbeleuchtung) befindet oder gerade der Mond den Himmel aufhellt. Die Empfehlung, sich zum Sterngucken an einen möglichst dunklen Ort (und daher schwarzem Himmel mit ehrfurchtgebietendem Sternengefunkel) ohne störende Lichtquellen rundherum zu begeben, ist sicher gut gemeint, aber meist nicht sinnvoll umsetzbar – und mir ist auch im Normalfall der Aufwand dafür einfach zu groß. Kein Grund, auf das Sterngucken zu verzichten – auch am hellen Nachthimmel gibt es eine Vielzahl interessanter Objekte zu betrachten, wobei der Schwerpunkt weniger auf Deep Sky Objekten (deren geringe Flächenhelligkeit sie meist im hellen Himmelshintergrund verschwinden lässt) als auf Sternformationen wie vor allem Doppel- und Mehrfachsternen und offenen Sternhaufen liegt, da sich einzelne Lichtpunkte auch gegen den hellen Hintergrund relativ gut durchsetzen. Kugelsternhaufen erfordern bereits günstige Momente unter den ungünstigen Bedingungen eines stadthellen Himmels und Galaxien kann man mit ganz wenigen Ausnahmen (und auch da nimmt man dann mit begrenztem Vergnügen nur den Kern als grauen Fleck wahr) überhaupt vergessen. Aber auch ein auf den ersten Blick perfekter Sternenhimmel kann (speziell in der kalten Jahreszeit in Kombination mit viel Feuchtigkeit in der Luft) ein grottenschlechtes Seeing bieten, bei dem eine punktscharfe Abbildung von Sternen ab einer nennenswerten Vergrößerung (und damit die Auflösung von engen Doppelsternen) nicht mehr möglich ist. Aber auch unter solchen Bedingungen bieten sich dann immer noch interessante Objekte wie offene Sternhaufen, Asterismen und weite Doppelsterne an.

Es scheint also vernünftig zu sein, sich für diesen „Normalfall“ entsprechend vorzubereiten und im Sinne von „allzeit bereit“ (denn die klaren Nächte sind in unseren Breiten ja wirklich eher eine Überraschung) für den jeweils aktuellen Sternenhimmel eine Liste von Objekten anzulegen, die als prompt verfügbare Sessionplanung speziell für die Beobachtung auch bei hellem Sternenhimmel oder sonstigen nicht so optimalen Sichtbedingungen geeignet sind. Die überwältigende Schönheit eines brillanten schwarzen Sternenhimmels ist zwar nicht zu erwarten, aber allein die Lokalisierung der Objekte (natürlich ohne GoTo) ist ein schönes Erfolgserlebnis. Die Arbeit an Sessionplänen auf Verdacht hat sich in der Folge auf die Erstellung eines umfassenden Kataloges ausgeweitet  - das war (und ist, denn dieses „Projekt“ eines vollständigen Kataloges für ein Gesamtjahresprogramm wird wohl nie ein Ende finden) zwar zeitintensiv aber gleichzeitig auch eine gute Alternative für ausgefallenes Sterngucken wegen schlechter Witterung.